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Kurzes Update

So, viel gibt es über die letzten paar Monate eigentlich nicht zu berichten. Gut, ich bin inzwischen umgezogen; aber da sich mein Leben hier in Birmingham in ein paar Taschen verpacken lässt und ich auch nur ein paar Strassen weiter gezogen bin, ist das nicht wirklich aufregend. Mittlerweile arbeite ich auch schon wieder konzentriert (Wunschtraum) an meinem Abschlussfilm. Nach ein paar Startschwierigkeiten läuft jetzt alles mehr oder weniger rund. Nach ungefähr 25 Telefonanrufen mit allen möglichen Leuten, konnte ich insgesamt vier Interviews organisieren. Die müssen jetzt nur noch gefilmt werden. Und die Fingerpuppen für die Nachstellungen sind auch in Arbeit.

Manche werden sich jetzt fragen, weshalb ich dann mit diesem Eintrag ihre Zeit verschwende. Ganz einfach: um mal ganz unverschämt etwas Werbung in eigener Sache zu machen. Wie ich letztes Mal erzählt habe, arbeitete ich an einem fünf-Minuten Film. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, das Video, dank Youtube, auch für Leute ohne Facebook zugänglich zu machen. Ausserdem habe ich bei dieser Version die Musik und Hintergrundsgeräusche verbessert, die bei der Facebook-Version irgendwie abhanden gekommen sind. Allerdings hat auch bei diesem Video durch das Komprimieren das Bild etwas gelitten.

Hier nun der Link: http://www.youtube.com/watch?v=fhL5wAY28p8

19.8.10 16:29


Das erste Video ist da!

Nein, nein, ich hab die letzten Monate nicht damit verbracht, von Pub zu Pub zu ziehen - ganz im Gegensatz zu gägngigen Gerüchten, habe ich in der Zeit seit dem letzten Eintrag hart gearbeitet.

Erst habe ich mein Praktikum abgeschlossen. Ich würde an dieser Stelle liebend gerne eine grossartige Beschreibung von Filmsets und Schneidesessions abgegen...aber, in Tat und Wahrheit habe ich die zwölf Wochen meines Praktikums mehr oder weniger mit Zeitunglesen verbracht. Eine Kamera habe ich nur einmal gesehen - als ich eine Inventarliste kontrollieren und erneuern musste.

Aber wie schon gesagt, auch das langweiligste Praktikum geht einmal vorüber und das ist der Punkt an dem es interessant wird. Endlich konnte ich mit meinem ersten Film beginnen. Ich habe die Gelegenheit gleich dazu benutzt, mehr oder weniger einen Testlauf für meinen Abschlussfilm zu starten. Da ich leider einsehen musste, dass die Nachstellung von Schlüsselszenen mit Schauspieler mein Budget nicht nur etwas übersteigt, sondern mich mehr oder weniger ruinieren würde, musste eine andere Lösung her. Nach einigem Kopfzerbrechen kam ich auf die Idee, eine Art Puppentheater zu veranstallten. Allerdings werde ich anstatt Puppen Ausschneidefiguren benutzen. Das 5-Minuten Projekt kam da gerade recht, um das Vorhaben erst einmal praktisch zu testen. Jetzt musste nur noch eine Story her und das Basteln konnte beginnen. Nach einigem Suchen im Internet fand ich ein Kindergedicht über Kolumbus und die Entdeckung von Amerika. Zugegeben, es ist nicht das beste Gedicht und die Fakten sind etwas fragwürdig. Aber erstens konnte sich mein inneres Kind durchaus mit dem Gedicht anfreunden und zweitens hat es nicht so viele Hintergrundswechsel - und das konnte mir in Hinsicht auf das Basteln nur recht sein. Denn das war es was ich für ungefähr einen Monat gemacht habe. Erst die Figuren im Internet suchen (ja, ich habe versucht, die Figuren selbst zu zeichen und ja, ich bin jämmerlich gescheitert), dann die Figuren mit Kohlepapier kopieren und mit Wasserfarben ausmalen und zum Schluss ausschneiden. Dann endlich konnte das Filmen beginnen und mit der Hilfe von Freunden daurte das einen halben Tag.

Dieser halbe Tag war dann das erste Mal, dass mir die schrägen Verhältnisse des Filmgeschäfts bewusst wurden. Erst verbringt man Wochen mit der Vorbereitung, zeichnet und malt sich einen Krampf und dann ist der ganzen Spuk nach einem halben Tag vorüber.

Mit dem Filmen war aber nur die halbe Arbeit getan - denn jetzt musste das Video noch geschnitten werden und mit Musik, Kommentar und Geräuschen versehen werden. Da ich noch nie ein Video geschnitten habe, verbrachte ich den ersten Tag damit, im Programm Final Cut Pro verschiedene Knöpfe zu drücken, um zu sehen was passiert. Da gab es doch einiges zu entdecken und ich drücke noch heute Knöpfe und bin überrascht, was passiert. Am nächsten Tag fühlte ich mich dann im Stande, mein Video richtig zu bearbeiten. Und jetzt nach ungefähr drei Wochen kann ich endlich das Endresultat präsentieren. Ganze fünf Minuten und 16 Sekunden lang ist mein erstes Werk. Und obwohl ich noch einiges daran auszusetzen habe, bin ich trotzdem ziemlich stolz auf das Video, ist es doch mein erstes.

Und ich würde euch das Video auch liebend gern zeigen - leider musste ich herausfinden, dass sich in diesem Blog keine Videos hochladen lassen, die nicht auf Youtube oder My Video sind. Es ist allerdings auf Facebook oder ich kann versuchen es, bei Interesse, per E-Mail zu schicken...

10.6.10 22:24


Ich bin noch da...

Weihnachten ist vorbei, die Weihnachtskekse gegessen und sämtlich guten Vorsätze von Neujahr sind mittlerweile auch über den Haufen geworfen. Immerhin bedeutet das, dass es wieder etwas Neues zu erzählen gibt.

Der Winter hat uns hier in England immer noch mehr oder weniger voll im Griff. Wobei, aus schweizer Sicht ist es eher die beste Komödie, die man je gesehen hat. Man schaue sich nur einmal das Chaos an, dass das bisschen Schnee nach Neujahr hier angerichtet hat. Flughäfen wurden ebenso geschlossen wie unzählige Schulen. Mein Flug wurde abgesagt und ich konnte erst zwei Tage später fliegen. An sich nicht wirklich ein Problem, wenn da nicht ein Essay gewesen wäre, der sehnsüchtig darauf wartete, geschrieben zu werden. Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schwarz geärgert. Im Nachhinein ist es alles aber sehr amüsant. 

Nachdem ich so konzentriert und aufmerksam wie noch nie zuvor die Nachrichten und den Wetterbericht verfolgte, erwartete ich bei meiner Ankunft eigentlich ungefähr einen halben Meter Schnee. Immerhin, wenn sogar die Schulen geschlossen werden und Busse und Züge stecken bleiben, müssen ja fast apokalyptische Zustände herrschen. Es stellte sich heraus, dass in England apokalyptische Zustände gleich etwa 10 cm Schnee sind. Der Traum von der idyllischen Zugfahrt von London nach Birmingham durch zugeschneite, weisse Landschaften zerplatze wie eine Seifenblase. Stattdessen wurde es eine Zugfahrt durch weisslich angehauchte Landschaften - wobei,halt, gefahren sind wir eigentlich nicht gerade viel. Wenn alles gut läuft dauert die Zugfahrt etwa zwei Stunden (mit dem Super-Duper-Saver-Ticket), allerdings wirklich nur wenn alles gut läuft. Und das ist es an diesem Tag nicht. An einer Haltestelle etwa 25 Minuten vor Birmingham hielt der Zug plötzlich ungewöhnlich lange - Signalfehler. Schön, alle machten sich darauf gefasst, etwa 15 Minuten Verspätung zu haben. Aus 15 Minuten wurden dann 30 Minuten und schliesslich sogar eine Absage der Weiterfahrt. Keiner dachte sich etwas Böses dabei, sondern man wartete halt einfach auf den nächsten Zug nach Birmingham. Der kam dann auch nach nur fünf Minuten warten - toll! Da ich wegen gut 20 Minuten Fahrt mit meinem riesigen Koffer nicht durch den halben Zug fallen wollte, nur um einen Sitzplatz zu finden, blieb ich halt stehen. Grosser Fehler. Durch den Signalfehler stauten sich die Züge vor Birmingham New Street Station. Es kam soweit, dass wir ungefähr eineinhalb Stunden in Sichtweite des Bahnhofs standen - ohne weitere Informationen, ausser, dass durch das ganze Signalhickhack keine Gleise mehr frei wären im Bahnhof. Tja, aus der zweistündigen Bahnfahrt wurde so halt eine Reise von sechseinhalb Stunden.

Aber zurück zum Schnee. Den habe ich auch noch gefunden - auf den Bürgersteigen. Die werden hier nämlich weder gesalzen, gesplittet, noch gepflügt. Deshalb kann man hier auch Schlittschulaufen ohne Schlittschuhe. Regnet es dann noch in diesen ganzen festgetrettenen Schnee hinein, holt man einmal Anlauf und muss dann bis zu seinem Ziel keinen Schritt mehr tun. Durch Herumfragen habe ich dann auch herausgefunden, dass die Schulen deshalb geschlossen wurden, weil hier weder die Busse noch die Autos Winterreifen haben. Da gestaltet sich die Fahrt dann schon mal zum Eiskunstlaufen.

Aus diesem Grund wurde das tägliche Nachrichtenschauen immer zur besten Unterhaltung. Für etwa ein, zwei Wochen wurden für Birmingham jeden Abend 'Heavy Snow' Warnungen (2-5 cm. Nein, dass habe ich nicht erfunden, dass wurde so gemeldet!) herausgegeben. Meistens haben wir jedoch vergeblich auf den Schnee gewartet. Übrigens, das neue Unwort des Jahres ist 'Big Freeze' - ca. -5 C°. Aber natürlich, wenn Wintermantel, Schal und Handschuhe eher als exotische Kleidungsstücke angesehen werden, sind solche Temperaturen schon sehr kalt.

Aber genug vom Wetter. Ich gehöre ja mittlerweile zur arbeitenden Bevölkerungsgruppe, da ich mein Praktikum begonnen habe. Vier Tage in der Woche sitze ich im Büro von Endboard Productions und versuche, zusammen mit einer anderen Praktikantin, nicht zu zeigen, dass eine funktionierende Heizung ein definitives Plus wäre.

Wir sind dafür zuständig, neue Programmideen auzudenken und diese, nach dem OK unserer zwei Chefs, zu recherchieren. Wir sind somit also mitten im wirklichen Geschehen der Fernseh- und Filmwelt. Und ich kann sagen, es gefällt mir und ich kann mir bis jetzt gut vorstellen, in dieser Branche zu arbeiten. Allerdings hoffe ich, dass ich später einmal (wenn ich dann gross bin ) einen einigermassen funktionierenden Computer haben werde. Mit einem so langsamen Internet ist Recherche ziemlich schwer, noch mehr, wenn man nicht mehr als ein Fenster öffnen kann, weil sonst der Computer abstürzt. Ich weiss nicht, wie man die Schnelligkeit vom Internet normalerweise misst, bei diesem Computer misst man sie in Tee. Ein Beispiel: Eine Tasse Tee machen und trinken ist gleich eine Website laden. Komme ich auf die Idee, Word zu öffnen, fängt der Spass erst richtig an. Das Ding ist so langsam, dass ich mit Hammer und Meissel schneller wäre.

Zusammenfassend kann man vom Zustand meines Arbeitscomputers sagen, dass ich mittlerweile das Wiederaufstarten zu meinen täglichen Pflichten zähle.

Aber wie es mal jemand so schön gesagt hat: wenigstens hast du einen Computer! Wir werden ja sehen, was sich daraus noch ergibt.

14.2.10 22:50


Freizeit??? Wochenende????? Leute, ich mach hier meinen MA!!!

Ich weiss jetzt, weshalb in der Schweiz der Master zwei Jahre dauert! Weil sie es besser wissen!!! Ich glaube, ich hatte noch nie so viel Stress wie in den letzten paar Wochen. Wie stressig wurde mir erst bewusst, als ich gemerkt habe, dass ich die Zeit nicht mehr in Wochen und Tage einteilte, sondern in Essays und Vorträge. Noch zwei Präsentation und zwei Essays? Ah, dann sind schon bald Ferien!

Zu allem Übel habe ich auch noch zugesagt, in der Bühnencrew vom Universitätsmusical 'Sweeney Todd: the demon barber of Fleet Street' mitzuhelfen. Das Resultat war eine Woche lang keinen freien Abend und eine äusserst missgelaunte Miriam.

Obwohl, so im Nachhinein muss ich sagen, dass es doch sehr Spass gemacht hat, hinter der Bühne zu stehen und den Schauspielern ihre Requisiten nachzutragen. Ich weiss, dass viele Spauspieler Lampenfieber haben und sich extrem konzentrieren müssen - aber wie Sweeney Todd seine Rasiermesser vergessen kann, ist mir immer noch ein Rätsel! Dank 'Sweeney Todd' hatte ich auch meine zehn Sekunden Ruhm. Und das jeden Abend für eine Woche. Der Preis dafür war auch nicht so hoch - 13 blaue Flecken (ja, ich habe sie gezählt) an meinen Beinen. Dafür konnte mich das Publikum zweimal pro Show mit einem Stuhl in der Hand über die Bühne rennen sehen. Zugegebernmassen, eigentlich sollten mich die Schauspieler beim einen mal verdecken - ich glaub aber nicht, dass das auch nur einmal geklappt hat. Aber wir haben es versucht!

Inmitten des ganzen Stresses der letzten Wochen musste ich auch noch ein Praktikumsstelle finden. Vorstellungsgespräche auf deutsch sind mir ja schon ein Gräuel - auf englisch, ich will mich gar nicht daran erinnern! Das erste Gespräch war schon sehr seltsam und ich habe gedacht, dass man das nicht mehr übertrumpfen kann. Es stellte sich heraus, dass es durchaus möglich ist! Beim zweiten Vorstellungsgespräch musste ich kurz warten, bis die beiden Herren mit dem Arbeiten/Teekochen fertig waren. In dieser Zeit konnte ich einen Blick auf das Büchergestell in der Ecke werfen. Glaubt mir, man geht gleich ganz anders an ein Vorstellungsgespärch heran, wenn das erste Buch das man sieht 'The Sex Lifes of the Great Dictators' ist.

Allerdings kann ich jetzt mit Stolz sagen, dass ich erfolgreich war: Ab Februar werde ich für 12 Wochen bei einer Produktionsfirma namens Endboard arbeiten (und ja, dass ist die Firma mit dem Büchergestell ). Und ich schwöre hoch und heilig, dass ich nie wieder nach einem Vorstellungsgespräch an den Weihnachtsmarkt gehe! Dieser Rumpunsch war aber auch eher Rum mit etwas Punsch...

Mittlerweilen habe ich aber mehr oder weniger Ferien. Nur noch ein Essay ist für dieses Semester übrig. Der kann aber bis nach Weihnachten warten. Jetzt geniesse ich erst einmal meine wiedergewonnene Freiheit. Obwohl so ganz komme ich mit der vielen Freizeit nicht mehr zurecht. Deshalb habe ich mittlerweile auch schon meinen Koffer für nächsten Mittwoch gepackt. Das heisst, jetzt muss ich mich nur noch  für die nächsten zwei Tage irgendwie beschäftigen...

13.12.09 16:06


Hier steppt der Bär

So, nach etwas längerer Abwesenheit als geplant, geht es weiter. Im Moment steppt hier der Bär, aber so richtig.

Zuerst aber noch einige gewünschte Worterklärung. Diejenigen, die alle Begriffe in den letzten Einträgen verstanden haben, können diesen Teil ruhig überspringen:

BA: erster Teil des Studiums. Dieser wird von der Universität als ein drei Jahre dauernder Studiengang verkauft - in Tat und Warheit schaffen es aber die wenigsten, in diesem Zeitrahmen die Bachelorprüfungen zu machen. Nach dem Bachelorexamen darf man dafür aber den stolzen Titel BA (Bachelor of Arts) zu seinem Namen hinzufügen (als ob das jemand macht...).

MA: Keine Angst, das süsse Studentenleben ist noch nicht vorbei! Nachdem man sich einen BA erarbeitet hat, entscheiden sich die meisten dafür, noch mindestens zwei weitere Jahre zu studieren. Der MA ist dazu gedacht, sich in einem Fach oder Gebiet zu spezialisieren. Danach darf man sich dann das Kürzel MA (Master of Arts) vor den Namen setzen.

Lacrosse: ist eine Sportart, die ursprünglich von den amerikanischen Ureinwohner gespielt wurde. Kurz umschrieben: man erhält einen Schläger mit einem kleinen Fangnetz am Ende. Damit versucht man, den Ball aus der Luft oder vom Boden abzufangen und im Team so weiterzuspielen, dass man ein Tor schiessen kann. Der Sport wird von vielen als sehr hart und etwas gewalttätig empfunden. Da ich aber in einem gemischten Team spiele, ist kein Bodycheck erlaubt. Obwohl, wenn ich unsere Männer ansehe - gewisse davon könnte sogar ich ohne Probleme umrennen... Bei weiteren Fragen bitte ich euch, es einfach zu googlen, da ich ehrlich gesagt auch kaum eine Ahnung habe, was ich da auf dem Spielfeld eigentlich mache...

Hallo, hier gehts weiter!!!

In den letzten paar Wochen ist hier richtig was los. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht irgendeine Präsentation oder einen Essay halten oder abgeben müssen. Diese Woche zum Beispiel habe ich damit verbracht, mit meiner Präsentationspartnerin ein Fernsehprogramm auf die Beine zu stellen - nur schon dafür mussten wir einen einseitigen Projektvorschlag zusammenstellen, nächsten Dienstag das Ding in einer Präsentation vorstellen und da aller guter Dinge drei sind auch noch eine Verteidigung darüber schreiben.

Damit vertrieben wir uns also die letzten drei Tage die Zeit und am Ende waren wir dann auch wirklich von unserer Idee überzeugt. Jetzt wollen wir unserer Klasse eine vierteilige Show über Weihnachten verkaufen. In jeder Episode schaut sich ein britischer Komiker eine der Weihnachtstraditionen an. Einer versucht den perfekten Weihnachtsbaum zu finden, jemand stellt sich der Herausforderung, den richtigen Leuten eine Weihnachtskarte zu schicken und dabei sein Sozialleben nicht ganz zu ruinieren, dann haben wir noch die 'Christmas Stockings' und am Schluss will jemand das perfekte Weihnachtsmenü auf die Beine stellen.

(Ich merke gerade, wie langweilig die Sendung klingt, wenn man sie so kurz beschreibt.)

Mittlerweile sind wir im Kurs auch dabei, zu lernen, wie man mit einer Kamera richtig umgeht und man einen Film editiert. Ich glaube, ich muss mir dafür noch eine Zusatzversicherung anschaffen. Diese Kameras kosten ein Vermögen! Da sitzt man im Kurs, bewundert gerade die vielen Knöpfe an der Kamera und man hört nur noch mit einem halben Ohr zu bis: Übrigens, diese Kameras kosten zwischen £1500 und £3000. Da entwickelt man doch gleich eine ganz neue Vorsicht...

Sobald ich weiss, wie man die Editionsprogramme der Uni nutzt, werde ich mal die Uni, das Haus und mein Zimmer filmen und hier reinstellen...  

Aber das ist nur ein kleiner Teil von meinem Alltag. In der Zwischenzeit hat mein Leben sich entschieden, sich von mir die Unabhängigkeit zu erkämpfen

Es hat sogar in seinem ersten Lacrosse-Match mitgespielt. Ich konnte da nur noch mitrennen. Dieser Match war ein Erfahrung für sich. Da es mein erster war, hat ich nicht zu grosse Erwartungen und diese wurden dann auch erfüllt! Wir sind mit dem Auto eine Stunde (wer sonst würde eine STUNDE mit dem Auto zu einem einstündigen Match fahren, wenn nicht Studenten) zur Gastgeberuni gefahren. Und da wurden wir von dieser dann in den Boden gestampft und was man von uns noch finden konnte, im Wind verstreut! Mit anderen Worten: wir haben verloren - ca. 13 zu 5. Ich glaube, sogar der Schiedsrichter hat irgendwann aufgehört zu zählen. Eigentlich war es aber schon ein kleines Wunder, dass wir überhaupt ein Tor schossen. Unser 12-köpfiges Team bestand aus mehrheitlich blutigen Anfängern und drei oder vier etwas erfahrerener Spielern. Das Gegnerteam dagegen bestand aus Spielern der ersten und zweiten Manschaft. Während wir orientierungslos auf dem Feld herumstanden, haben die Lacrosse gespielt...

Die Woche darauf war dann Halloween. Meine erste richtige Halloween-Party und gleich ein voller Erfolg. Ich habe die Chance benutzt und versucht ein Hexenkostüm auf die Beine zu stellen. Hat zwar nicht ganz geklappt (man konnte nur erahnen, dass ich eine Hexen war, wegen dem Hut). Da ich keine Spinnweben und Spinnen im Supermarkt finden konnte, kaufte ich halt Halloween-Sticker. Ausserdem kam ich auf die glorreiche Idee, auf das Grösse-44 Kleid (habe kein anderes schwarzes Kleid im Charity-Shop gefunden) Spinnweben zu sticken. Sagen wir es mal so: Sticken ist nicht wirklich ein Talent von mir! Aber wenigestens hat nach der Stickattacke das Kleid einigermassen gepasst. Schlussendlich habe ich dann halt die Sticker auf mein Kleid genäht und sah aus, als ob ein 7-jähriges Kind Hand angelegt hat. Aber ich habe es versucht

Ich sagte es doch!

28.2.05 17:13


Student Life

So, nachdem ich gestern meinen Eintrag aus Versehen unwiederruflich gelöscht habe, halt das Ganze noch einmal von vorn:

In den letzten Wochen hat für mich hier in Birmingham die Uni angefangen. Obwohl - eigentlich kann man von der ersten Woche nicht wirklich von Uni sprechen, da es mehr oder weniger nur ein einziger Monstertag war, der sich über sieben Tage erstreckte. Hier nennt man diese Ungeheuerlichkeit Fresher's Week. Diese Fresher's Week ist dazu da, um seine universitären Angelegenheiten zu erledigen - das heisst, man versucht es zumindest. Man steht stundenlang an, um seinen Studentenausweis zu bekommen und langweilt sich von einem Einführungsgespräch zum Nächsten. Gut, dass mit dem studenlangen Anstehen ist ein bischen übertrieben: es war nur eine Stunde. Trotzdem, wenn man sich überlegt, dass man all das auf sich nimmt, um am Ende an jemand zu geraten, der nicht auf drei zählen und man deshalb froh sein kann, wenn das Gesicht und nicht der Hinterkopf auf dem Ausweis prangt, ist es schon eine ziemlich lange Zeit. Ausserdem ist man in diesen Schlangen all den Leuten ausgeliefert, die dir irgendeinen Wettbewerb aufschwatzen wollen, nur damit sie dann dein E-Mailkonto mit Spam füllen können. Aber es hilft nichts, da muss man durch. Ich wollte es ja eigentlich gleich am Montag hinter mich bringen und bin dafür sogar extra früh aufgestanden. Als ich aber bei der grossen Halle ankam, zog sich die Schlange bereits bis auf den Platz vor dem Gebäude und ich wurde, und jetzt kommts, von einem der Platzanweiser (ja Plural!) weggeschickt.

Ich hab mich dann halt im Infozelt für die International Students umgesehen. Da musste ich dann gleich zu Beginn herausfinden, dass ich mein Versprechen, nie mehr einen Englischtest zu machen, nicht halten kann. Die Organisatoren hatten einen Tisch strategisch beim Eingang plaziert, auf dem alle Informationen für einen obligatorischen Sprachtest zu finden waren. Alle Studenten deren Muttersprache nicht englisch ist, dürfen zu dem gut einstündigen Test antreten, in dem sie hundert Multiple Choice Fragen beantworten müssen. Ich habe den Test aber erst mal auf die nächste Woche verschoben (mittlerweile habe ich ihn gemacht und mit der Mittleilung zurück bekommen, dass ich bei keiner der Englischstunden hin muss, wenn ich nicht will. Bleibt mehr Zeit für die Uni ;-) )

Im International Student Zelt konnte man sich aber nicht nur aufregen, sondern auch anmelden. Die ganze Woche über haben die Organisatoren verschiedene Veranstaltungen geplant. So konnte man sich für Campus- und Stadttouren anmelden (ich habe beide gemacht. Ich muss doch schliesslich wissen, von was ich spreche, wenn mich jemand besuchen kommt) und für mehrere Kulturabende. Und ich habe an allen teilgenommen, weil ich eine Irish Dance Night sowieso gut finde und einen Bollywood Abend auch.

Diese zwei Kulturabende waren so eine Sache für sich. Die Irish Dance Night stellte sich als etwas gefährlich für Leib und Leben heraus, aber lustig. Da das Zelt zu klein für die Menge Besucher war, musste man seine Füsse öfters schnell mal in Sicherheit bringen. Am nächsten Tag konnte man die Teilnehmer dann an den blauen Flecken erkennen. Trotzdem, es ist selten, dass man so viele Menschen Irish tanzen sieht. Obwohl es Gerüchte gibt, dass man das nicht mehr Tanzen nennt, sondern herumhopsen und Körperverletzung. Der Bollywood Abend am Mittwoch stellte sich als etwas verunglückter Tanzkurs heraus. Es wurden extra drei Tänzerinnen eingeladen, damit sie uns, nachdem sie ihr Showprogramm aufgeführt hatten, das Tanzen beibrachten. Blöd nur, dass man in den hinteren Reihen gerade mal die Köpfe der Tänzerinnen sah und deshalb die Anweisungen 'Sweep the floor', 'clean the window 'und 'Lightbulb' nicht wirklich Sinn machten. Jedenfalls tänzerisch gesehen nicht. Da war dann halt das Improvisationstalent unsererseits gefragt - sehr zur Belustigung der anwesenden Inder, die dann auch prompt die Tanzfläche übernahmen.

Tagsüber konnte man mich morgens meistens in der Graduate School beim 'Tea and Cake' für Postgraduate Studenten finden. Für alle die es nicht wissen, Postgraduates werden hier alle die genannt, die eigentlich wissen sollten, wie es funktioniert, weil sie einen BA haben. Diese 'Tea and Cake' Veranstaltungen waren eigentlich dazu da, dass man mit anderen Studenten ins Gespräch kommt. Allerdings stellte sich im Verlauf der Woche heraus, dass immer die gleiche Gruppe antrabte. Mittlerweile haben wir unseren Treffpunkt übrigens in die Pubs verlegt. Da gibt es zwar keinen Kuchen, dafür Pub Quiz Night.

Die Graduate School war aber auch für den unorganisiertesten Abend der Woche verantwortlich. Am Donnerstag haben sie einen Networking Evening veranstaltet und weil es ja eine Uni ist, gehörten da neben dem Buffet auch Vorträge dazu. Allerdings hat der Organisator wohl vergessen, dass sich im Publikum auch MA-Studenten befinden und nicht nur Phd-ler. So kam es dann, dass unsere Reihe ihre eigenen Gespräche veranstaltete und sehnsüchtig auf die Eröffnung des Buffets wartete. Dumm nur, dass als wir da ankamen, kaum noch etwas zu essen übrig war und Wein schon gar nicht mehr. Wir haben uns dann halt kurzerhand ins Pub abgesetzt. Da musste man für das Essen zwar zahlen, man hat aber immerhin etwas gekriegt. 

Die Nachmittage verbrachte ich damit, mir Lektüren wie zum Beispiel 'Working in the UK' anzuhören. Diese hat mir besonders gut gefallen, da ich eine Stunde lang mitanhören musste, was man als BA-Student alles machen soll, um einen Nebenjob zu kriegen. Der Abschnitt für die MA- und PhD-Studenten wurde danach mit den Worten eingeführt: Wenn man einen MA macht, der nur ein Jahr dauert, sollte man besser keinen Nebenjob haben. Dazu würde einem einfach die Zeit fehlen. Das war dann der Punkt, an dem ich den Saal verlassen habe.

Ich habe die Nachmittage aber auch dazu benutzt, mich mit Gratisproben eindecken zu lassen (ich bin jetzt stolze Besitzerin von drei neuen Stofftaschen, fünf Schlüsselbändern und zwei Schlüsselanhängern). Die ersten Stände lang habe ich noch versucht, die Leute abzuwimmeln und die ganzen Werbeflyer abzulehnen. Das wurde mir dann aber zu bunt, da ich immer die ganze Gruppe aufgehalten habe, weil ich erklären musste, weshalb ich den gratis Schlüsselanhänger nicht wollte. Also habe ich halt angefangen, dass Zeug einzupacken. Der Höhepunkt der Werbegeschenke war aber eindeutig der Goodie Bag von Sainsbury's (das ist die englische Migros/Coop). In der Tasche fanden sich eine Dose Spaghetti an Tomatensauce, Baked Beans, Baked Beans and Sausage und Instantnudeln. Wenn jemand von euch etwas davon testen möchte, kann er sich bei mir melden - ich schicke es dann liebend gerne mit der Post zu. 

An drei Tagen konnte man sich an diesen Ständen aber auch für eine Sportart anmelden oder einer der unzähligen Studentengruppen beitreten. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Roleplay society, Re-enactment society, Comedy society (wobei, die so einen miesepetrigen Eindruck machten, dass man sich das mit der Comedy noch einmal überlegt hat. Schwarzer Humor ist ja gut und recht, allerdings sollte man es nicht so wortwörtlich nehmen) Sprachgruppen, alles was das Herz begehrt. Sogar eine Fetish society gibt es. Ich bin mittlerweile stolzes Mitglied bei der Musical society. Allerdings habe ich mich für Backstage-Jobs gemeldet. Das mit dem Singen lasse ich mal lieber, weil man dazu zu einem Vorsingen muss. Und ich weiss aus Erfahrung, wie ich dann klinge. Ausserdem bin ich dem Guild TV beigetreten. Unser erstes Projekt ist ein Monsterfilm, bei dem ich am Drehbuch mitschreibe und hinter der Kamera sowie beim editieren helfe.

Da ich ja jetzt in England bin, habe ich mich entschieden sportlich mal etwas ganz neues auszuprobieren und habe mit der amerikanische Sportart Lacross angefangen Lacross. Hierzu muss ich sagen, dass wir ein gemischtes Team sind und deshalb kein Körperkontakt erlaubt ist. Nur falls sich hier wieder einige Leute darüber wundern, dass ich immer die brutalen Sportarten auswähle.

Für den letzten Abend der Woche war ein International Meal and Party geplant. Beim Betreten des Speisesaals gab es die erste Überraschung: Man wurde an einen Tisch geführt. Das hatte zur Folge, dass man ziemlich geschickt von den Leuten mit denen man kam, getrennt wurde und so neue Leute kennenlernte. Ich habe den asiatischen Tisch abgekriegt. Da mussten wir dann feststellen, dass es ziemlich schwer ist, eine gemeinsame Interessenbasis zu finden, wenn man von so unterschiedlichen Kulturkreisen kommt. Wir sind dann irgendwann beim Thema Namen gelandet und das gemeinsame Interesse stellte sich als 'wetten, dass die einzige Europäerin am Tisch es nicht schafft, unsere chinesischen, japanischen, thailändischen, malaysischen Namen richtig auszusprechen' heraus. Es war aber ganz lustig, die Grimassen zu beobachten, wenn ich es wieder mal geschaft habe, einen Namen zu masakrieren.

Am Wochenende hatte ich dann das erste Mal Besuch aus der Schweiz. Mein Götti und seine Frau (wir sind hier im Internet - deshalb werde ich mal keine Namen nennen. Datenschutz und so) haben ein paar Tage Ferien in England gemacht und sind mit dem Zug nach Birmingham gereist. Ich konnte dann zum ersten Mal unter Beweis stellen, dass ich auf der Stadttour aufgepasst habe und sie durch die Stadt führen. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, dass Birmingham eigentlich gar keine so hässliche Stadt ist. Vor allem die Kanäle sind wirklich ganz nett und man findet da einige Perlen in gastronomischer Hinsicht. Gut, dass mit dem Wein müssen die Engländer noch einmal etwas üben. Rotwein mit Raumtemperatur ist ja schön und gut, nur sollten ca. 20 C° nicht überschritten werden. Aber vielleicht irre ich mich auch; ich sollte wohl besser noch mal die Kenner in der Familie fragen. Leider ging der Besuch viel zu schnell wieder zu ende und sie sind weiter nach Liverpool gereist - zu den Beatles.

Letzte Woche fing dann die Uni richtig an und ich konnte schon mal das Panik schieben üben und dass, obwohl wir nur sechs Stunden die Woche, das heisst, drei Kurse haben. Man kriegt aber in jedem Kurs mehrmals gesagt, wie unglaublich gut man sein muss, um später einen Job zu finden. Ausserdem haben wir unseren Abgabeterminplan erhalten und wir mussten mit Schrecken herausfinden, dass alles benotet wird. Auch die Vorträge. Da erstaunt es nicht, wenn jetzt an meinem Spiegel die Worte stehen: It will be fine, you will be fine. Um den Druck noch etwas zu erhöhen, wurden alle nichtenglischsprachigen Studenten (fünf aus achtzehn) vom einem der Professor zu sich geholt. Der hat uns dann noch einmal eingebläut, dass unser Englisch perfekt sein muss. zum Schluss hat er dann zum finalen KO-Schlag ausgeholt, indem er zweien von uns mitteilte, dass, wenn ihr Englisch nicht in kurzer Zeit sehr viel besser wird, sie den MA nicht bestehen würden. Na vielen Dank auch. Der macht einem ja wirklich Mut. 

Der Kurs an sich ist aber sehr interessant. Auch wenn wir zum x-ten mal lernen, wie man bibliographiert. Es könnte ja sein, dass wir es über den Sommer verlernt haben. Im einen Kurs lernen wir, wie Dokumentarfilme recherchiert werden und im zweiten schauen wir uns Filme an und analysieren sie auf Licht, Kameraführung und Schnitt. Mit anderen Worten, wir schauen uns jede Woche einen Film an - der Traum jedes Schülers und Studenten. Im dritten Seminar besuchen uns verschiedene Gastreferenten, die in der Film- oder Fernsehbranche arbeitet.

Ablenkung von der ganzen Uni bringen vor allem der Pub Quiz Abend am Montag. Das erste Mal als die Postgraduate Tea and Cake Gruppe hinging, waren wir so viele, dass wir zwei Teams bilden mussten. Zu unserem Erstaunen führte unsere Zwillingsgruppe lange Zeit die Rangliste an, bis sie plötzlich von der Bildfläche verschwand. Was war geschehen? Sie wurden beim Schummeln erwischt! Da haben sie es doch tatsächlich geschafft, sich von jemand fotografieren zu lassen, als sie ein iPhone benuzten, um die Antworten im Internet nachzuschauen. Die Schadenfreude bei uns war gross und irgendwie war die allgemeine Meinung nicht: 'Gut, dass diese Schwindler erwischt wurden!' sondern: 'Nach mindestens drei Jahren Studium sollten die doch eigentlich wissen, wie man anständig spickt!'. Was das über die Studenten und ihr Moralverständnis aussagt, sei jetzt mal dahingestellt. Es muss aber wohl kaum betont werden, wie gross die Schadenfreude diese Woche war, als wir ohne zu schummeln den dritten Platz belegten.

Das alles scheint aber schon wieder eine Ewigkeit her zu sein. Im Moment bin ich dabei, verzweifelt nach einem einigermassen originellen Thema für meinen Abschlussfilm/-arbeit zu suchen, da wir einen ersten Vorschlag am Montag abgeben müssen. Es hat sich in den letzten eineinhalb Wochen leider herausgestellt, dass die Schweiz eine etwas andere Dokumentarfilmkultur als England hat. Was für uns ein alter Hut ist, ist in England gerade in und umgekehrt. Fragt mich nicht, woran es liegt. Je mehr Ideen ich wälze, umso blutrünstiger werden sie. Mittlerweilen bin bei den Hexenverfolgungen in England angelangt, da es scheint als ob hier kein Mensch eine Ahnung davon und nie jemand einen Dokumentarfilm darüber gesehen hat. Und damit es für mich nicht langweilig wird und ich mein Quantum an Blut erfülle, überlege ich mir, ob ich mal den Blickwinkel wechsle und einen Dokumentarfilm aus Sicht eines Hexenverfolgers drehe. Wir werden sehen, mit was für Sachen ich morgen oder übermorgen noch ankommen...

28.2.05 17:13


Drei Wochen

Drei Wochen bin ich nun schon hier in Birmingham. Drei Wochen in denen ich mich eingewöhnen und, wie man das doch so schön sagt, aklimatisieren konnte. Aber immer der Reihe nach (und ihr kennt ja den Drill: Für Rechtschreib- und Grammatikfehler übernehme ich keine Haftung):

Mein Flug am 31. August war bis zum Zoll am Flughafen Gatwick ereignislos. Damit ich der University of Birmingham beweisen konnte, dass ich vor dem 1. September hier in Grossbritannien angekommen bin, brauchte ich einen Stempel in meinem Pass (Ich sag nur: Studiengebühren). Diesen Stempel zu bekommen, stellte sich allerdings als ein ziemlich schwieriges Unterfangen heraus. Der eine Zöllner wusste nicht, ob er dazu berechtigt ist, ein weiterer weigerte sich schlichtweg, einen Schweizerpass abzustempeln, der Dritte hatte wohl gerade keine Lust und dem vierten Zöllner ist wahrscheinlich die Tinte ausgegangen. Kurzum, ich glaube, ich habe mit so ziemlich allen Zöllnern die Bekanntschaft gemacht, die an diesem Morgen Dienst hatten. Am Ende konnte dann aber doch stolz und mit einem Stemple inklusive Unterschrift aus dem Flughafen weiter in die Innenstadt von London reisen.

Von dort aus sollte es dann mit dem Zug, gebucht bei Megabus/Megatrain, weiter nach Birmingham gehen. Wie sich herausstellte, war gerade an diesem Montag Bank Holiday und mein gebuchter Zug fuhr gar nicht. Ich erhielt die freundliche Auskunft, dass Megabus/Megatrain das wohl öfter mache. Das nennt man dann wohl Pech. Die Dame hinter dem Schalter war von meinem ungläubigen Gesicht aber so beeindruckt (vielleicht hatte sie auch nur Mitleid), dass sie mir einen Sitz in einem späteren Zug gab. Und jetzt kommt einer der wichtigsten Reisetips für alle die mit dem Zug nach Birmingham reisen und ins Stadtinnere wollen: Bucht bis Birmingham New Street. Ich weiss, Birmingham International klingt viel besser, internationaler und überhaupt. Allerdings ist dieser Bahnhof beim Flughafen und somit ausserhalb von Birmingham. Man kann von da den Bus nehmen, der fährt allerdings nur alle halbe Stunde oder so und bestimmt nicht gerade dann, wenn man ihn braucht.

Die Jugendherberge stellte sich als sehr farbige Angelegenheit heraus. Die Fassade mag ja grau sein, aber es sind die inneren Werte die zählen. Diese inneren Werte kamen in Form einer farbenfrohe Dekoration, freundlichen Angestellten, sauberen Zimmer sowie Sanitäranlagen und einem Upgrade meiner Buchung. Ich bekam ein Pod, das ist eine Matratze umgeben von vier Wänden, mit einer kleinen Deckenlampe. Das ganze Haus schreit nach Jugenherberge. Ich ärgere mich immer noch, dass ich die Zimmer- und Hausregeln nicht fotografiert habe. "Bitte rennt nicht nackt durch die Jugenherberge" war nur eine davon. Die Duschen zählen leider nicht umbedingt zu den inneren Werten, da man bei ihnen kaum von Mehrzahl sprechen kann. Zwei von den drei Duschen im Haus waren nämlich nur von acht bis zwölf Uhr morgens zugänglich. Und eine vierte oder gar fünfte Dusche konnte ich nicht entdecken.

Noch am Ankunftstag habe ich mein erstes Zimmer besichtigt und auch gleich genommen. Der Vermieter ist freundlich und die Mitbewohner sehr nett. Ausserdem liegt es ideal zur Uni, Einkaufs- und Ausgangsmöglichkeiten, City Centre und einem Bahnhof. Das Zimmer hat eine gute Grösse und das Haus ist verhältnismässig sauber. Obwohl ich ja schon am Abend des 1. September einziehen konnte, habe ich dann am Nachmittag noch drei Zimmer der selben Preisklasse angeschaut. Und glaubt mir - ich habe micht beklagt, dass im Studentenheim in London die Zimmer klein und die Küche dreckig waren? Gegen das, was ich das zum Teil zu sehen bekam, war London ein Luxus. Das eine Zimmer kann man eigentlich schon gar nicht mehr als Zimmer bezeichnen - eher als Wandschrank. Da hatte gerade mal ein Einzelbett platz. Auf die Frage, wo ich denn meine Kleider versorgen soll, bekam ich gar nicht erst eine Antwort. Bei einer anderen Wohnung würde ich mir das mit dem Duschen ganz stark überlegen. Die Baddecke konnte man schon als eigene Lebensform bezeichen. Da nehme ich es doch lieber in kauf, dass es bei mir im Zimmer je nach Windrichtung etwas nach Fish and Chips riecht und ich immer Lust auf Take-a-Way kriege. Damit kann ich aber eigentlich ganz gut leben.

Mittlerweile sind alle Anfangshürden überwunden und ich bin soweit eingerichtet, dass die Uni losgehen kann. Ich habe ein Konto eröffnet (neuer Rekord meinerseits: Vier Tage), zwei neue Sim-Karten (damit erhöht sich die Anzahl funktionierender Sim-Karten in meinem Besitz auf drei) und ein neues Handy gekauft. In der Uni ist auch alles geregelt und ich weiss mittlerweile auch, wann ich wo sein muss. Meinen Stundenplan, inklusive eine halbe Seite Entschuldigung wegen der Verspätung, ist gestern per Mail gekommen. Diese Woche habe ich damit verbracht, sehnsüchtig darauf zu warten, dass es endlich losgeht und aus lauter Langeweile das Haus zu putzen. Jeden Tag auf Sightseeing-Tour zu gehen, ist auch nicht gerade das Gelbe bom Ei. Immerhin: Die Küche sieht wieder aus wie neu oder wie das mein Mitbewohner so schön gesagt hat: Very Swiss!

20.9.09 19:05