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Student Life

So, nachdem ich gestern meinen Eintrag aus Versehen unwiederruflich gelöscht habe, halt das Ganze noch einmal von vorn:

In den letzten Wochen hat für mich hier in Birmingham die Uni angefangen. Obwohl - eigentlich kann man von der ersten Woche nicht wirklich von Uni sprechen, da es mehr oder weniger nur ein einziger Monstertag war, der sich über sieben Tage erstreckte. Hier nennt man diese Ungeheuerlichkeit Fresher's Week. Diese Fresher's Week ist dazu da, um seine universitären Angelegenheiten zu erledigen - das heisst, man versucht es zumindest. Man steht stundenlang an, um seinen Studentenausweis zu bekommen und langweilt sich von einem Einführungsgespräch zum Nächsten. Gut, dass mit dem studenlangen Anstehen ist ein bischen übertrieben: es war nur eine Stunde. Trotzdem, wenn man sich überlegt, dass man all das auf sich nimmt, um am Ende an jemand zu geraten, der nicht auf drei zählen und man deshalb froh sein kann, wenn das Gesicht und nicht der Hinterkopf auf dem Ausweis prangt, ist es schon eine ziemlich lange Zeit. Ausserdem ist man in diesen Schlangen all den Leuten ausgeliefert, die dir irgendeinen Wettbewerb aufschwatzen wollen, nur damit sie dann dein E-Mailkonto mit Spam füllen können. Aber es hilft nichts, da muss man durch. Ich wollte es ja eigentlich gleich am Montag hinter mich bringen und bin dafür sogar extra früh aufgestanden. Als ich aber bei der grossen Halle ankam, zog sich die Schlange bereits bis auf den Platz vor dem Gebäude und ich wurde, und jetzt kommts, von einem der Platzanweiser (ja Plural!) weggeschickt.

Ich hab mich dann halt im Infozelt für die International Students umgesehen. Da musste ich dann gleich zu Beginn herausfinden, dass ich mein Versprechen, nie mehr einen Englischtest zu machen, nicht halten kann. Die Organisatoren hatten einen Tisch strategisch beim Eingang plaziert, auf dem alle Informationen für einen obligatorischen Sprachtest zu finden waren. Alle Studenten deren Muttersprache nicht englisch ist, dürfen zu dem gut einstündigen Test antreten, in dem sie hundert Multiple Choice Fragen beantworten müssen. Ich habe den Test aber erst mal auf die nächste Woche verschoben (mittlerweile habe ich ihn gemacht und mit der Mittleilung zurück bekommen, dass ich bei keiner der Englischstunden hin muss, wenn ich nicht will. Bleibt mehr Zeit für die Uni ;-) )

Im International Student Zelt konnte man sich aber nicht nur aufregen, sondern auch anmelden. Die ganze Woche über haben die Organisatoren verschiedene Veranstaltungen geplant. So konnte man sich für Campus- und Stadttouren anmelden (ich habe beide gemacht. Ich muss doch schliesslich wissen, von was ich spreche, wenn mich jemand besuchen kommt) und für mehrere Kulturabende. Und ich habe an allen teilgenommen, weil ich eine Irish Dance Night sowieso gut finde und einen Bollywood Abend auch.

Diese zwei Kulturabende waren so eine Sache für sich. Die Irish Dance Night stellte sich als etwas gefährlich für Leib und Leben heraus, aber lustig. Da das Zelt zu klein für die Menge Besucher war, musste man seine Füsse öfters schnell mal in Sicherheit bringen. Am nächsten Tag konnte man die Teilnehmer dann an den blauen Flecken erkennen. Trotzdem, es ist selten, dass man so viele Menschen Irish tanzen sieht. Obwohl es Gerüchte gibt, dass man das nicht mehr Tanzen nennt, sondern herumhopsen und Körperverletzung. Der Bollywood Abend am Mittwoch stellte sich als etwas verunglückter Tanzkurs heraus. Es wurden extra drei Tänzerinnen eingeladen, damit sie uns, nachdem sie ihr Showprogramm aufgeführt hatten, das Tanzen beibrachten. Blöd nur, dass man in den hinteren Reihen gerade mal die Köpfe der Tänzerinnen sah und deshalb die Anweisungen 'Sweep the floor', 'clean the window 'und 'Lightbulb' nicht wirklich Sinn machten. Jedenfalls tänzerisch gesehen nicht. Da war dann halt das Improvisationstalent unsererseits gefragt - sehr zur Belustigung der anwesenden Inder, die dann auch prompt die Tanzfläche übernahmen.

Tagsüber konnte man mich morgens meistens in der Graduate School beim 'Tea and Cake' für Postgraduate Studenten finden. Für alle die es nicht wissen, Postgraduates werden hier alle die genannt, die eigentlich wissen sollten, wie es funktioniert, weil sie einen BA haben. Diese 'Tea and Cake' Veranstaltungen waren eigentlich dazu da, dass man mit anderen Studenten ins Gespräch kommt. Allerdings stellte sich im Verlauf der Woche heraus, dass immer die gleiche Gruppe antrabte. Mittlerweile haben wir unseren Treffpunkt übrigens in die Pubs verlegt. Da gibt es zwar keinen Kuchen, dafür Pub Quiz Night.

Die Graduate School war aber auch für den unorganisiertesten Abend der Woche verantwortlich. Am Donnerstag haben sie einen Networking Evening veranstaltet und weil es ja eine Uni ist, gehörten da neben dem Buffet auch Vorträge dazu. Allerdings hat der Organisator wohl vergessen, dass sich im Publikum auch MA-Studenten befinden und nicht nur Phd-ler. So kam es dann, dass unsere Reihe ihre eigenen Gespräche veranstaltete und sehnsüchtig auf die Eröffnung des Buffets wartete. Dumm nur, dass als wir da ankamen, kaum noch etwas zu essen übrig war und Wein schon gar nicht mehr. Wir haben uns dann halt kurzerhand ins Pub abgesetzt. Da musste man für das Essen zwar zahlen, man hat aber immerhin etwas gekriegt. 

Die Nachmittage verbrachte ich damit, mir Lektüren wie zum Beispiel 'Working in the UK' anzuhören. Diese hat mir besonders gut gefallen, da ich eine Stunde lang mitanhören musste, was man als BA-Student alles machen soll, um einen Nebenjob zu kriegen. Der Abschnitt für die MA- und PhD-Studenten wurde danach mit den Worten eingeführt: Wenn man einen MA macht, der nur ein Jahr dauert, sollte man besser keinen Nebenjob haben. Dazu würde einem einfach die Zeit fehlen. Das war dann der Punkt, an dem ich den Saal verlassen habe.

Ich habe die Nachmittage aber auch dazu benutzt, mich mit Gratisproben eindecken zu lassen (ich bin jetzt stolze Besitzerin von drei neuen Stofftaschen, fünf Schlüsselbändern und zwei Schlüsselanhängern). Die ersten Stände lang habe ich noch versucht, die Leute abzuwimmeln und die ganzen Werbeflyer abzulehnen. Das wurde mir dann aber zu bunt, da ich immer die ganze Gruppe aufgehalten habe, weil ich erklären musste, weshalb ich den gratis Schlüsselanhänger nicht wollte. Also habe ich halt angefangen, dass Zeug einzupacken. Der Höhepunkt der Werbegeschenke war aber eindeutig der Goodie Bag von Sainsbury's (das ist die englische Migros/Coop). In der Tasche fanden sich eine Dose Spaghetti an Tomatensauce, Baked Beans, Baked Beans and Sausage und Instantnudeln. Wenn jemand von euch etwas davon testen möchte, kann er sich bei mir melden - ich schicke es dann liebend gerne mit der Post zu. 

An drei Tagen konnte man sich an diesen Ständen aber auch für eine Sportart anmelden oder einer der unzähligen Studentengruppen beitreten. Da gibt es nichts, was es nicht gibt. Roleplay society, Re-enactment society, Comedy society (wobei, die so einen miesepetrigen Eindruck machten, dass man sich das mit der Comedy noch einmal überlegt hat. Schwarzer Humor ist ja gut und recht, allerdings sollte man es nicht so wortwörtlich nehmen) Sprachgruppen, alles was das Herz begehrt. Sogar eine Fetish society gibt es. Ich bin mittlerweile stolzes Mitglied bei der Musical society. Allerdings habe ich mich für Backstage-Jobs gemeldet. Das mit dem Singen lasse ich mal lieber, weil man dazu zu einem Vorsingen muss. Und ich weiss aus Erfahrung, wie ich dann klinge. Ausserdem bin ich dem Guild TV beigetreten. Unser erstes Projekt ist ein Monsterfilm, bei dem ich am Drehbuch mitschreibe und hinter der Kamera sowie beim editieren helfe.

Da ich ja jetzt in England bin, habe ich mich entschieden sportlich mal etwas ganz neues auszuprobieren und habe mit der amerikanische Sportart Lacross angefangen Lacross. Hierzu muss ich sagen, dass wir ein gemischtes Team sind und deshalb kein Körperkontakt erlaubt ist. Nur falls sich hier wieder einige Leute darüber wundern, dass ich immer die brutalen Sportarten auswähle.

Für den letzten Abend der Woche war ein International Meal and Party geplant. Beim Betreten des Speisesaals gab es die erste Überraschung: Man wurde an einen Tisch geführt. Das hatte zur Folge, dass man ziemlich geschickt von den Leuten mit denen man kam, getrennt wurde und so neue Leute kennenlernte. Ich habe den asiatischen Tisch abgekriegt. Da mussten wir dann feststellen, dass es ziemlich schwer ist, eine gemeinsame Interessenbasis zu finden, wenn man von so unterschiedlichen Kulturkreisen kommt. Wir sind dann irgendwann beim Thema Namen gelandet und das gemeinsame Interesse stellte sich als 'wetten, dass die einzige Europäerin am Tisch es nicht schafft, unsere chinesischen, japanischen, thailändischen, malaysischen Namen richtig auszusprechen' heraus. Es war aber ganz lustig, die Grimassen zu beobachten, wenn ich es wieder mal geschaft habe, einen Namen zu masakrieren.

Am Wochenende hatte ich dann das erste Mal Besuch aus der Schweiz. Mein Götti und seine Frau (wir sind hier im Internet - deshalb werde ich mal keine Namen nennen. Datenschutz und so) haben ein paar Tage Ferien in England gemacht und sind mit dem Zug nach Birmingham gereist. Ich konnte dann zum ersten Mal unter Beweis stellen, dass ich auf der Stadttour aufgepasst habe und sie durch die Stadt führen. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst, dass Birmingham eigentlich gar keine so hässliche Stadt ist. Vor allem die Kanäle sind wirklich ganz nett und man findet da einige Perlen in gastronomischer Hinsicht. Gut, dass mit dem Wein müssen die Engländer noch einmal etwas üben. Rotwein mit Raumtemperatur ist ja schön und gut, nur sollten ca. 20 C° nicht überschritten werden. Aber vielleicht irre ich mich auch; ich sollte wohl besser noch mal die Kenner in der Familie fragen. Leider ging der Besuch viel zu schnell wieder zu ende und sie sind weiter nach Liverpool gereist - zu den Beatles.

Letzte Woche fing dann die Uni richtig an und ich konnte schon mal das Panik schieben üben und dass, obwohl wir nur sechs Stunden die Woche, das heisst, drei Kurse haben. Man kriegt aber in jedem Kurs mehrmals gesagt, wie unglaublich gut man sein muss, um später einen Job zu finden. Ausserdem haben wir unseren Abgabeterminplan erhalten und wir mussten mit Schrecken herausfinden, dass alles benotet wird. Auch die Vorträge. Da erstaunt es nicht, wenn jetzt an meinem Spiegel die Worte stehen: It will be fine, you will be fine. Um den Druck noch etwas zu erhöhen, wurden alle nichtenglischsprachigen Studenten (fünf aus achtzehn) vom einem der Professor zu sich geholt. Der hat uns dann noch einmal eingebläut, dass unser Englisch perfekt sein muss. zum Schluss hat er dann zum finalen KO-Schlag ausgeholt, indem er zweien von uns mitteilte, dass, wenn ihr Englisch nicht in kurzer Zeit sehr viel besser wird, sie den MA nicht bestehen würden. Na vielen Dank auch. Der macht einem ja wirklich Mut. 

Der Kurs an sich ist aber sehr interessant. Auch wenn wir zum x-ten mal lernen, wie man bibliographiert. Es könnte ja sein, dass wir es über den Sommer verlernt haben. Im einen Kurs lernen wir, wie Dokumentarfilme recherchiert werden und im zweiten schauen wir uns Filme an und analysieren sie auf Licht, Kameraführung und Schnitt. Mit anderen Worten, wir schauen uns jede Woche einen Film an - der Traum jedes Schülers und Studenten. Im dritten Seminar besuchen uns verschiedene Gastreferenten, die in der Film- oder Fernsehbranche arbeitet.

Ablenkung von der ganzen Uni bringen vor allem der Pub Quiz Abend am Montag. Das erste Mal als die Postgraduate Tea and Cake Gruppe hinging, waren wir so viele, dass wir zwei Teams bilden mussten. Zu unserem Erstaunen führte unsere Zwillingsgruppe lange Zeit die Rangliste an, bis sie plötzlich von der Bildfläche verschwand. Was war geschehen? Sie wurden beim Schummeln erwischt! Da haben sie es doch tatsächlich geschafft, sich von jemand fotografieren zu lassen, als sie ein iPhone benuzten, um die Antworten im Internet nachzuschauen. Die Schadenfreude bei uns war gross und irgendwie war die allgemeine Meinung nicht: 'Gut, dass diese Schwindler erwischt wurden!' sondern: 'Nach mindestens drei Jahren Studium sollten die doch eigentlich wissen, wie man anständig spickt!'. Was das über die Studenten und ihr Moralverständnis aussagt, sei jetzt mal dahingestellt. Es muss aber wohl kaum betont werden, wie gross die Schadenfreude diese Woche war, als wir ohne zu schummeln den dritten Platz belegten.

Das alles scheint aber schon wieder eine Ewigkeit her zu sein. Im Moment bin ich dabei, verzweifelt nach einem einigermassen originellen Thema für meinen Abschlussfilm/-arbeit zu suchen, da wir einen ersten Vorschlag am Montag abgeben müssen. Es hat sich in den letzten eineinhalb Wochen leider herausgestellt, dass die Schweiz eine etwas andere Dokumentarfilmkultur als England hat. Was für uns ein alter Hut ist, ist in England gerade in und umgekehrt. Fragt mich nicht, woran es liegt. Je mehr Ideen ich wälze, umso blutrünstiger werden sie. Mittlerweilen bin bei den Hexenverfolgungen in England angelangt, da es scheint als ob hier kein Mensch eine Ahnung davon und nie jemand einen Dokumentarfilm darüber gesehen hat. Und damit es für mich nicht langweilig wird und ich mein Quantum an Blut erfülle, überlege ich mir, ob ich mal den Blickwinkel wechsle und einen Dokumentarfilm aus Sicht eines Hexenverfolgers drehe. Wir werden sehen, mit was für Sachen ich morgen oder übermorgen noch ankommen...

28.2.05 17:13
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Regula (22.10.09 22:08)
Hihi, wie ich sehe geht es Dir wunderbar bei den Briten. =) Freu mich schon auf weitere Neuigkeiten. *g* Glg

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